Moderne Sicherheitstechnik konzentriert sich traditionell auf Türen, Fenster, Zufahrten und Grundstücksgrenzen. Alarmanlagen, Videoüberwachung und Zutrittskontrollen schützen Unternehmen davor, dass Unbefugte Gebäude oder sensible Bereiche betreten.
Doch eine mögliche Sicherheitslücke liegt oberhalb des Firmengeländes: Drohnen können heute vergleichsweise einfach eingesetzt werden, um Grundstücke, Gebäude, Lagerflächen oder technische Anlagen aus der Luft zu beobachten. Für Unternehmen stellt sich deshalb zunehmend die Frage, ob und wie sie sich gegen unerwünschte Drohnenflüge schützen können.
Besonders für Industrieunternehmen, Logistikstandorte, Autohäuser, Lagerbetriebe oder Unternehmen mit sensiblen Außenflächen kann das Thema Drohnen-Sicherheit künftig ein wichtiger Bestandteil eines umfassenden Sicherheitskonzepts werden.
Warum Drohnen für Unternehmen zum Sicherheitsthema werden können
Drohnen sind längst keine außergewöhnliche Technik mehr. Leistungsfähige Kameradrohnen sind leicht verfügbar und können hochauflösende Aufnahmen aus Perspektiven erstellen, die vom Boden aus nicht erreichbar sind.
Für Unternehmen kann dies verschiedene Risiken mit sich bringen. Denkbar sind beispielsweise Aufnahmen von Betriebsabläufen, Lagerflächen, Fahrzeugen, technischen Einrichtungen oder Bereichen, die eigentlich nicht öffentlich einsehbar sein sollen.
Auch zur Vorbereitung eines Einbruchs könnten Luftaufnahmen theoretisch genutzt werden. Eine Drohne ermöglicht beispielsweise einen Blick auf rückwärtige Gebäudeseiten, Dachflächen, Zufahrtswege oder Bereiche außerhalb der Reichweite klassischer Kameras.
Dabei bedeutet natürlich nicht jede Drohne über einem Gewerbegebiet automatisch eine Gefahr. Viele Flüge haben völlig harmlose Gründe. Entscheidend ist deshalb, ungewöhnliche Aktivitäten erkennen und im Zweifelsfall nachvollziehen zu können.
Welche Unternehmen sollten sich mit Drohnen-Sicherheit beschäftigen?
Nicht jedes kleine Büro benötigt automatisch ein spezielles System zur Drohnenerkennung. Für bestimmte Unternehmensstandorte kann sich eine Risikoanalyse jedoch durchaus lohnen.
Besonders relevant kann das Thema für folgende Bereiche sein:
- Industrie- und Produktionsstandorte
- Logistikzentren und größere Lagerflächen
- Autohäuser und Fahrzeugdepots
- Baustellen mit hochwertigen Maschinen und Materialien
- Energie- und Versorgungsunternehmen
- Unternehmen mit Forschung und Entwicklung
- sensible Unternehmens- oder Rechenzentrumsstandorte
- größere Gewerbegrundstücke mit schwer einsehbaren Außenflächen
Je höher der Wert der vorhandenen Waren, Informationen oder technischen Einrichtungen ist, desto sinnvoller kann es sein, auch die Perspektive aus der Luft in das Sicherheitskonzept einzubeziehen.
Klassische Videoüberwachung hat natürliche Grenzen
Eine moderne Videoüberwachung kann einen großen Teil eines Firmengeländes erfassen. Kameras überwachen beispielsweise Eingänge, Tore, Parkplätze oder Grundstücksgrenzen.
Die Kameras sind jedoch in der Regel auf Bereiche am Boden ausgerichtet.
Eine Drohne bewegt sich dagegen unabhängig von Wegen, Zäunen und Zufahrten. Sie kann sich einem Gebäude aus einer Richtung nähern, die in einem klassischen Sicherheitskonzept bislang kaum berücksichtigt wurde.
Drohnen-Sicherheit sollte deshalb nicht als Ersatz für vorhandene Sicherheitstechnik verstanden werden. Vielmehr handelt es sich um eine mögliche zusätzliche Ebene.
Alarmanlage, Videoüberwachung, Perimeterschutz und Zutrittskontrolle bleiben die Grundlage. Bei erhöhtem Schutzbedarf kann die Erkennung von Aktivitäten im Luftraum diese Systeme ergänzen.
Wie funktioniert Drohnenerkennung?
Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten, um Drohnen in der Umgebung eines Firmengeländes zu erkennen. Welche davon geeignet sind, hängt stark vom Standort und vom tatsächlichen Sicherheitsbedarf ab.
Radarbasierte Erkennung
Radarsysteme können bewegte Objekte im überwachten Bereich erfassen und deren Position beziehungsweise Bewegungsrichtung bestimmen.
Radartechnik wird grundsätzlich auch zur Drohnenerkennung eingesetzt. Die Bundesnetzagentur nennt Drohnenerkennung ausdrücklich als einen Anwendungsbereich von Ortungsfunk beziehungsweise Radaranlagen. Für bestimmte Radarsysteme können dabei frequenzrechtliche Anforderungen oder Frequenzzuteilungen erforderlich sein.
Für größere Gewerbe- und Industrieflächen kann Radar deshalb Bestandteil einer professionellen Sicherheitslösung sein.
Optische Erkennung durch Kameras
Auch Kameras können zur Identifizierung auffälliger Objekte eingesetzt werden. In Verbindung mit geeigneter Software lassen sich Bewegungen analysieren und bestimmte Ereignisse gezielter erkennen.
Der Vorteil liegt darin, dass nach einer technischen Erkennung häufig auch eine visuelle Überprüfung möglich ist. So kann besser beurteilt werden, ob tatsächlich eine Drohne vorhanden ist und wie sie sich bewegt.
Kombination verschiedener Systeme
Gerade bei erhöhtem Sicherheitsbedarf ist die Kombination unterschiedlicher Sensoren interessant.
Ein System kann beispielsweise zunächst eine ungewöhnliche Bewegung erkennen. Eine Kamera kann anschließend gezielt auf den betreffenden Bereich ausgerichtet werden.
Solche vernetzten Lösungen passen zum grundsätzlichen Trend in der modernen Sicherheitstechnik: Verschiedene Komponenten arbeiten nicht isoliert, sondern ergänzen sich gegenseitig.
Erkennen ist etwas anderes als aktiv abwehren
Bei diesem Thema ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.
Ein Unternehmen kann Maßnahmen ergreifen, um Drohnenaktivitäten zu erkennen, zu dokumentieren und entsprechende Sicherheitsprozesse auszulösen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Unternehmen eine Drohne technisch stören oder außer Betrieb setzen darf.
Insbesondere sogenannte Jammer beziehungsweise Störsender sind problematisch. Sie können Mobilfunk, GPS oder andere Funkdienste beeinträchtigen. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass der Einsatz solcher Geräte Kommunikationsdienste und sogar Notrufe stören kann; entsprechende Störsender dürfen in Europa nicht frei vertrieben und eingesetzt werden.
Für Unternehmen sollte deshalb gelten: Drohnen-Sicherheit bedeutet in erster Linie erkennen, bewerten, dokumentieren und richtig reagieren – nicht eigenmächtig funktechnisch eingreifen.
Was sollte passieren, wenn eine verdächtige Drohne erkannt wird?
Technik allein löst das Problem nicht. Ebenso wichtig ist ein klar definierter Prozess.
Unternehmen sollten beispielsweise festlegen, wer bei einem auffälligen Drohnenflug informiert wird und wie das Ereignis dokumentiert werden soll. Bei sensiblen Standorten kann es sinnvoll sein, Zeitpunkt, Flugrichtung und Dauer des Vorfalls zu erfassen.
Besteht der Verdacht auf eine konkrete Gefährdung oder einen rechtswidrigen Vorgang, können anschließend die zuständigen Behörden eingeschaltet werden.
Ein gutes Sicherheitskonzept beantwortet deshalb nicht nur die Frage:
„Können wir eine Drohne erkennen?“
Es beantwortet auch:
„Was passiert danach?“
Drohnen-Sicherheit als Bestandteil eines ganzheitlichen Sicherheitskonzepts
Der größte Nutzen entsteht, wenn Drohnenerkennung nicht als isolierte Technik betrachtet wird.
Stattdessen kann sie beispielsweise mit folgenden Systemen zusammenspielen:
- Videoüberwachung
- Perimeterschutz
- Einbruchmeldeanlagen
- Zutrittskontrolle
- Leitstellen- und Alarmierungssysteme
Wird beispielsweise außerhalb der Betriebszeiten eine ungewöhnliche Aktivität über einer Lagerfläche erkannt, könnte das Ereignis zusammen mit den vorhandenen Kamerabildern bewertet werden.
Damit entsteht ein umfassenderes Bild der Situation.
Zuerst das tatsächliche Risiko analysieren
Bei aller technischen Begeisterung sollte eines nicht vergessen werden: Nicht jedes Unternehmen braucht eine aufwendige Drohnenerkennung.
Eine professionelle Planung beginnt deshalb immer mit einer Risikoanalyse.
Dabei sollte unter anderem betrachtet werden:
Welche Bereiche des Grundstücks sind besonders sensibel?
Welche Informationen könnten aus der Luft sichtbar sein?
Gibt es hochwertige Waren oder technische Anlagen im Außenbereich?
Sind Dachflächen oder rückwärtige Bereiche schlecht einsehbar?
Besteht aufgrund der Branche ein erhöhtes Interesse an Betriebsinformationen?
Erst danach lässt sich beurteilen, ob zusätzliche Drohnen-Sicherheit sinnvoll ist oder ob klassische Sicherheitstechnik bereits ausreichend Schutz bietet.
Auch einfache Maßnahmen können helfen
Nicht jede Verbesserung erfordert sofort zusätzliche Sensorik.
Bereits bei der Planung bestehender Videoüberwachung kann geprüft werden, ob relevante Bereiche ausreichend abgedeckt sind. Sichtschutz, Beleuchtung und die Positionierung sensibler Anlagen können ebenfalls dazu beitragen, unerwünschte Einblicke zu erschweren.
Besonders vertrauliche Prozesse oder wertvolle Technik sollten möglichst nicht unnötig von öffentlichen Bereichen oder aus der Luft sichtbar sein.
Drohnen-Sicherheit beginnt deshalb ebenso wie klassischer Einbruchschutz mit der Frage, welche Informationen und Werte überhaupt sichtbar und erreichbar sind.
Zukunftsthema für die Sicherheitstechnik im Gewerbe
Die klassische Grundstücksgrenze verliert durch neue technische Möglichkeiten ein Stück weit ihre Bedeutung. Ein Zaun schützt vor Personen am Boden – gegen Beobachtung aus der Luft bietet er naturgemäß kaum Schutz.
Für Unternehmen mit erhöhtem Sicherheitsbedarf wird es deshalb zunehmend sinnvoll, bei der Planung moderner Sicherheitstechnik nicht nur Türen, Fenster und Grundstücksgrenzen zu betrachten.
Auch der Luftraum unmittelbar über sensiblen Bereichen kann Teil der Sicherheitsanalyse werden.
Fazit: Drohnen-Sicherheit sinnvoll in bestehende Sicherheitstechnik integrieren
Drohnen eröffnen Unternehmen viele nützliche Möglichkeiten, schaffen aber gleichzeitig neue Herausforderungen für den Schutz von Gewerbe- und Industrieflächen.
Insbesondere an Standorten mit hochwertigen Waren, sensiblen Betriebsabläufen oder schwer einsehbaren Außenflächen kann es sinnvoll sein, das Thema Drohnen-Sicherheit in die Risikoanalyse einzubeziehen.
Dabei geht es nicht darum, jede vorbeifliegende Drohne als Bedrohung anzusehen. Entscheidend ist vielmehr, ungewöhnliche Aktivitäten erkennen, bewerten und dokumentieren zu können.
Professionelle Drohnenerkennung kann vorhandene Videoüberwachung, Perimeterschutz, Alarmanlagen und Zutrittskontrollen ergänzen und damit zu einem umfassenderen Sicherheitskonzept beitragen.
A&TA unterstützt Unternehmen bei der Planung moderner Sicherheitstechnik und bei der Entwicklung von Lösungen, die auf den jeweiligen Standort und den tatsächlichen Schutzbedarf abgestimmt sind. So können auch neue Risiken frühzeitig berücksichtigt werden, ohne vorhandene Sicherheitskonzepte unnötig kompliziert zu machen.
